Vor rund dreieinhalb Jahren verunglückte Ian Burkhart während eines Urlaubs beim Tauchen. Die Folge des Unfalls: Sein Rückenmark wurde durchtrennt und der Amerikaner ist seitdem querschnittsgelähmt. Sein Gehirn sendet zwar noch Befehle aus, diese erreichen aber ihren Zielort nicht mehr. Denn die Nerven im Rückenmark können nicht wieder miteinander verbunden werden. Forscher arbeiten daher bereits seit längerem daran, diese Lücke zu umgehen und die Signale des Gehirns gewissermaßen über eine Umleitung ans Ziel zu führen. Nun scheint auf diesem Gebiet ein erster Durchbruch gelungen. Denn dank eines Chips im Gehirn und entsprechenden Elektroden am Arm, kann Burkhart inzwischen seine rechte Hand wieder bewegen.

Ein schlauer Algorithmus erkennt die Funktionsweise des Gehirns

Und zwar durchaus grazil: So ist er in der Lage sich selbstständig Wasser in ein Glas zu füllen und daraus dann unfallfrei zu trinken. Was für einen gesunden Menschen eher alltäglich erscheint, ist bei einem Querschnittsgelähmten eine ziemliche Sensation. Bis dahin war es allerdings ein weiter Weg. Denn zunächst mussten die Wissenschaftler herausfinden, wie das Gehirn die Hand tatsächlich steuert. Dazu wurde dem Patienten ein Mikrochip implantiert. Anschließend wurden ihm Bilder einer sich öffnenden und schließenden Hand gezeigt. Der Trick funktionierte: Ein schlauer Algorithmus entschlüsselte, welche Befehle zur Nutzung der Hand genutzt werden. Ähnlich verfuhren die Wissenschaftler auch an der Hand selbst. Dort testeten sie, welche Impulse benötigt werden, um die Muskeln der Hand in Bewegung zu setzen.

In rund fünf Jahren muss der Chip zunächst wieder entfernt werden

In einem letzten Schritt verknüpften sie dann diese beiden Erkenntnisse und versetzten Burkhard so in die Lage, seine Hand wieder selbstständig nutzen zu können. Aufgrund der noch unausgereiften Konstruktion, bei der Kabel den Mikrochip mit einem Computer und den Elektroden verbinden, bisher allerdings nur im Labor. Ohnehin handelt es sich noch um ein Forschungsprojekt und keine Lösung für die Ewigkeit. Denn körpereigene Abwehrzellen greifen den ungewohnten Chip an und machen ihn auf Dauer unbrauchbar. In etwa fünf Jahren müssen die Forscher den Chip daher wieder entfernen. Die in dieser Zeit gewonnenen Erkenntnisse könnten aber von entscheidender Bedeutung sein, um später einmal eine dauerhafte Lösung zu entwickeln.